ROT


Literatur, Musik und Vernissage

Bei den alten Griechen war ROT die Farbe der Kriegsgötter. Römische Gladiatoren tranken das Blut ihrer sterbenden Gegner. Nur der Kaiser durfte ein mit echtem Purpur gefärbtes Gewand tragen, gemolken aus Purpur-Schnecken, als einem Ausdruck höchster Macht. Im Mittelalter wurde Maria mit roten Haaren gemalt, Engel trugen rote Gewänder, der biblische Adam wurde aus roter Erde geschaffen, rote Bänder und Tücher wurden bei Hochzeitsbräuchen verwendet, Höhlenmaler schrieben der Farbe eine Zauberwirkung zu, Völker badeten ihre Neugeborenen im Blut von Tieren.

Die Bedeutung von ROT ist so vielfältig wie seine Facetten: Es steht für Leben, Blut, Wärme, Leidenschaft, Aggression, Gefahr und Tod, Erkenntnis, Weisheit und vieles mehr.

Als Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1878 nach zwei gescheiterten Attentaten auf seine Person von einer Kur nach Berlin zurückkehrt, versinkt Berlin in einem vom Hurra-Patriotismus entfesselten schwarz-weiß-roten Fahnenmeer. Der Schöne-berger Bierverleger Bäcker aus der Sedanstraße, der heutigen Leberstraße, hängt aus Protest die rote Fahne aus dem Fenster. Dafür wird er des Landes verwiesen! Gemäß dieser Anekdote wird das Sedan-Viertel daraufhin die „Rote Insel“ genannt. Das Rot der Fahne gleicht dem Rot der Jakobinermütze: Ein Aufschrei gegen Unterdrückung und Symbol für Kampf um Freiheit, Gleichheit sowie Brüderlichkeit. Sie steht für Solidarität der Arbeiter und Bauern und gleichzeitig für die Befreiung vom Faschismus. Doch sie zieht das Gegenteil geradezu an: Die Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung politisch Anders-denkender. Grelle Signale in Deutschland zeugen auch heute von zunehmender Fremdenfurcht und –feindlichkeit! Deshalb sollen neben eigenen Texten und Liedern zur Farbe ROT auch Worte und Lieder einst vertriebener Autoren und Komponisten Gehör finden, wie z.B. Kurt Weill, der kurze Zeit in Schöneberg wohnte, bevor er Deutschland für immer den Rücken kehrte, oder Marlene Dietrich, die als gebürtige Schönebergerin freiwillig die Fronten wechselte. Auch andere nationale wie internationale Künstler stehen zur Auswahl, so z.B. Brecht, Theodorakis und Francois Villon : Victor Uhlmann, Mikis Theodorakis

Drei Aufführungen, gefördert durch den Kiezfonds Schöneberg finden am 13. November, 18. Dezember 2015 sowie am 22. Januar 2016 in der Galerie Crelle 19 in der Crellestraße statt, in unmittelbarer Nähe der roten Insel,
s. http://www.wernerrosen.de/index.php/aktuelles

Eingeladen zu den Veranstaltungen sind rote Insulaner, bunte Insulaner und Nichtinsulaner! Der Eintritt ist frei, Spenden sowie die Einhaltung einer Kleiderordnung, dass jeder Zuschauer etwas Rotes trägt, sind erwünscht.

Ein Event der besonderen Art!

Mitwirkende
Knut Werner-Rosen (Galerieinhaber und Maler), Frank Augustin (Klavier, Komposition, Gesang), Maila Barthel (Gesang, Texte) , Uwe Streibel (Korreptition), Ingrid Kaehler (Dramaturgie / Regie) Andreas Scholz (Flyer, Web-Design) sowie drei Künstler aus Schöneberg. Einsendeschluss ist der 30.06.2015

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